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Naslovna u kraljevstvu, epizoda dva

Ich gebe zu, es ist bereits Donnerstag und ich bin drei Tage mit dem zweiten Teil des doch recht beliebten Reiseberichts in Verzug - aber das lag wohl daran dass ich hier einen riesen Haufen Scheisse Bilder zu sortieren hatte und habe und ich mein Gedächtnis bei einem kühlen Bier auffrischen musste.
Nichtsdestotrotz hier nun der zweite Teil der Chronik in der Heimat:

Mittwoch

Jaha, Mittwoch vormittags habe ich mir Zeit genommen den ersten Teil dieses Berichts zu schreiben. Meine Eltern dagegen waren schon in der Frühe unterwegs, denn jeden Mittwoch ist in Cakovec ein Markt alter Schule, an dem nahezu jeder hauptberufliche Bauer seine Waren feilbietet - eine hierzulande seltene Praxis. Auf dem Weg zurück um die Zutaten für die Pizza die mein Vater backen wollte (Mmh, wer sie kennt weiß was ich meine..) wurden diese natürlich von Freunden in Cafe's aufgehalten, denn wie bereits erwähnt wird Freundschaft hier nahezu immer zelebiert - vor allem wenn man sich länger nicht gesehen hat.
Am frühen Nachmittag bin ich mit meiner Mutter und Suzanna nach Cakovec aufgebrochen um mir eine Motika zu kaufen. Für alle die es nicht wissen: Eine Motika ist eine Art Hacke, aber von der Qualität her um einiges besser als der Schund, der hier in den Supermärkten angeboten wird. Da wir dann aber schonmal in der Stadt waren sind wir noch kurz etwas trinken gewesen - für mich mentale Vorbereitung auf das Fußballspiel, das an diesem Abend stattfinden sollte: Kroatien gegen Weißrussland. Geguckt habe ich das Spiel bei meinem Großonkel mit seinen Söhnen, aber an Möglichkeiten hätte es unbegrenzt viele gegeben, denn Foppes zählt hier zu den Nationalsportarten und ist sehr beliebt. Diesem Umstand ist es zu verdanken dass man daher beinahe überall Fußball gucken gehen kann (denn es tut ja eh jeder): Beim Nachbarn, bei Freunden, in Café's, in Kneipen, in Restaurants - und wenn ich es nicht besser wüsste würde ich auch vermuten in der Kirche und im Supermarkt.
Nach dem Spiel, dass natürlich souverän aber mit bedenklich schlechter Abwehr gewonnen wurde (3:1) bin ich auch sogleich schlafen gegangen, denn bei so einem Ereignis wird nicht nur ein Bier getrunken..

Donnerstag

Donnerstag morgens war die erste Station abermals Cakovec da wir noch Zutaten für's Essen brauchten und Blumen für den Friedhof holen wollten - damit verbunden weniger Zeitdruck wie etwa am Tag zuvor.
Die Stadt selbst ist sehr weitläufig, die Fußgängerzone ist relativ großzügig und modern - allerdings ohne den südländischen Charme zu verspielen. Diese Größe bewirkt übrigens auch den Eindruck, in einer größeren Stadt ausnahmsweise mal nicht von Werbung überrollt zu werden - und im Gegensatz zu vergleichbaren deutschen Städten ist Cakovec auch sehr sauber.


Ebenso stark fällt allerdings auch auf, das man nur eine Straße weiter gehen muss um sehr alte oder kaputte Gebäude zu sehen oder auf den Markt zu gelangen - der Kontrast zwischen Neu und Alt ist in allen kroatischen Städten sehr stark - am stärksten in denen, die leider den Krieg gesehen haben.


Der Nationalstolz und die Heldenverehrung finden natürlich auch hier ihren Platz, sodass neben kroatischen und medimurja(murländischen) Flaggen natürlich auch Denkmäler und Statuen von Helden stehen. Die Identifikation mit dem Heimatland ist natürlich kein Geheimnis, aber wenige Ausländer wissen dass sich die Menschen hier auch unmittelbar mit ihrer Region verbunden fühlen - bei uns würden sich wenige als "Kreis Neusser" sehen.



Am Ende unserer Tour waren wir dann in einem Fischrestaurant essen - und die Preise lassen sich sehen: Oslic, Haifisch (für mich) und Makrelen: Keine 30€. Dazu noch direkt frisch vom Meer, was hierzulande im Rheinland eher unüblich ist. Allerdings hat die Finanz- und Wirtschaftskrise und der Aufschwung vorher nebst Rationalisierung auch Kroatien erreicht - selbst geschnittene Pommes Frites bekommt man hier nicht mehr. Damn.
Alles in allem gestaltet sich Cakovec als sehr sympathische, schöne und weitläufige Stadt mit starken Gegensätzen zwischen Moderne und Altbauten sowie der typisch kroatischen Prise Nationalstolz.
Übrigens: Warum darf man in Banken keine Waffen mitbringen ?


Nach dem Trip durch die Stadt galt es einen Zwischenstop bei Blazenka einzulegen, einer Cousine meiner Oma. Neben ein paar lustigen Anekdoten wurden wir natürlich wieder gastfreundlich mit allerlei Kram beladen, darunter zwei volle Tüten mit Paprika. Bei vielen Menschen ist es hier wirklich so, dass diese egal wie arm sie sind ihr letztes Hemd für einen geben würden - was aber nicht heisst dass in diesem Land keine Wichser Menschen rumlaufen die nicht so denken.



Dem Intermezzo folgend war der nächste Aufenthalt der Friedhof, bei dem ich von meinem Großvater sowie meinen Urgroßeltern Abschied nahm. Aus Respekt vor den Toten habe ich davon allerdings keine Fotos gemacht.

Nach dem Mittagessen, welches ich natürlich gekocht hatte (leckere Spaghetti Bolognese nach meinem Rezept) ging es auch gleich weiter mit den Besuchen bei Freunden, zunächst war Dragen an der Reihe. Dieser besitzt ein echt schönes Haus mit super Ausblick - wenn es denn fertig wird. In Kroatien ist es üblich, keinen Kredit aufzunehmen um ein Haus zu bauen sondern immer nur so weit zu bauen, bis man kein Geld mehr hat. Solange wohnt man entweder bei den Eltern oder im Rohbau - hat aber am Ende ein Haus und ist schuldenfrei. Diese Einstellung ist auch ein Grund dafür, dass der Bau locker fünf bis zehn Jahre dauert, die Häuser dann aber im Endeffekt richtig klasse aussehen. Die Fotos der Landschaft hinter seinem Haus habe ich übrigens aus dem Turm seines Hauses gemacht, auf die Frage warum er einen Turm gebaut hat antwortete er mir nur: "Wenn der Krieg wiederkommt kann ich alle abschießen."


Nächster Stop nach einigen Stunden Aufenthalt waren wiedermals Marijan und Tanja mit ihrem Nobelrestaurant in dem wir den Rest des Abends bei..sagen wir mal viel Wein verbrachten. Ich lernte dort auch ihren 11jährigen Sohn Vran kennen - welcher fließend englisch sprechen konnte. Am Ende war er mir sogar überlegen was das Sprechen anging - der kleine Mann mit dem Hammer meldete sich nämlich, darum gibt's jetzt hier auch keine Fotos (aus Kroatien). Betrunkene wackeln nämlich immer so schrecklich mit den Kamera's.

Freitag

Am Freitag ging es etwas zunächst etwas gemütlicher zu, auf dem Plan stand der Besuch und gleichzeitige Verabschiedung von Tonek, Zlatko und Rajka auf dem Plan. Zwischendurch hat jedoch Thomas, mittlerer Sohn Jojors die Initiative ergriffen und ein überaus köstliches Gulasch gezaubert, an dem er lockere 4, 5 Stunden gekocht hat. Wie lecker das war muss ich wahrscheinlich nicht erwähnen..
Bei dem Besuch Rajkas und ihrer Familie waren diese zwar bei der Arbeit, aber wenn Freunde auftauchen wird die Arbeit sowieso eingestellt. Da sich der Abend aber dann doch unerwartet etwas länger zog wurden wir bei Rajka flugs zum Abendessen eingeladen -  einheimischer Schinken und Schmalz inklusive. Auch wenn mir selbst Schmalz nicht so mundet wie manch anderem muss ich gestehen dass es sehr lecker geschmeckt hat. Auch an diesem Tag gab es natürlich Alkohol in Form von Bier und Wein. Hab ich bereits erwähnt im Paradies zu sein ?..


Samstag

Samstag war der letzte vollständige Tag der Reise, und wir gingen es erstmal ruhig an. Gegessen wurde natürlich wieder von dem 10 Liter Gulasch-Topf; Danach ging es bereits gegen Mittag zum Fussballturnier und Fest bei Amnica. Amnica ist einer der vielen kleinen Tante-Emma-Läden, denn kleine Läden wie etwa ein Kiosk existieren wenn überhaupt vereinzelt in den größeren Städten wie Varazdin oder Cakovec - Supermärkte sind relativ unbeliebt und werden nur genutzt wenn eine bestimmte Ware in den kleinen Läden nicht angeboten wird. Diese allerdings haben viele Nahrungsmittel und derlei, man könnte es als großes erweitertes Kiosk bezeichnen. Die Menschen hier gehen allerdings nicht zu solchen Läden um ihre Waren zu kaufen, sondern um sich dort zu treffen und mit den Menschen zu quatschen - eine Tatsache die ich in Deutschland wirklich vermisse. Hinzu kommt das Faktum das die Läden wirklich in jedem Dorf existieren, die Einwohner sich kennen und deswegen gerne bei diesen Läden einkaufen.
Beim Fussballfest selbst wurde natürlich viel getrunken, angetreten sind insgesamt 6 Mannschaften von je 6-12 Leuten die sich alle über ihre Straße organisiert haben. Anders als in Deutschland identifiziert man sich hier zusätzlich noch mit dem "Hügel" oder der Straße in der man wohnt, begünstigt durch die relativ großen Grundstücke und die hügelige Landschaft.
Zwar ist der Profi-Sport bezüglich Fussball hier sehr populär, aber nichtsdestotrotz gibt es hier alljährlich dieses Fussballturnier wo wirklich keine Altersgrenze gesetzt ist - von 14-40 war hier alles vertreten. Leider wurde die Mannschaft die ich unterstützte nicht Sieger des Turniers aber der zweite Platz war locker drin.




Natürlicherweise wurden die Mannschaft und die Fans super versorgt - war dein Glas Wein leer wurde dir sofort neuer eingeschenkt, war dein Glas noch voll wurdest du aufgefordert anzustoßen oder leerzutrinken.
Nach dem Turnier gab es eine Feier, Live-Musik mit traditionellem Gesang und Tanz inklusive. Herausreden konnte man sich beim Tanz nicht, ich wurde einfach reingezogen und hab erstmal 20 Minuten mitgetanzt. Als Teil des zweiten Siegers wurde rundherum der Pokal gereicht aus dem man Wein trinken musste.
Für mich war die Party wegen meiner Mitfahrgelegenheit gegen 11 Uhr Abends bereits zuende, aber das war für mich nicht weiter schlimm weil sich mal wieder der kleine Mann mit dem Hammer ankündigte. Eine Party hätte nicht besser sein können als das, was an diesem Abend hier stattfand. Der Kreis der in dem Video zu sehen ist war übrigens die "kleine Runde", vorher tanzten ungefähr locker 40 Leute mit.


Sonntag - Tag der Abreise

Sonntags war es insgesamt relativ ruhig, es wurde gegrillt und wir wollten relativ früh fahren. Gegrillt wird hier übrigens oft mit einer Art Ofen, auf dem eine Metallschale liegt die erhitzt wird und das Fleisch darauf gart - lecker!


Dennoch musste ich nochmal in einem Supermarkt vorbeischauen um mir einen Kasten Bier zu holen, wobei mir zwei Dinge auffielen:
Erstens war das Verhältnis zwischen Gottesdienst und Supermarkt selbsterklärend, denn in der hiesigen Dorfkirche waren ungefähr 80 Leute - im Supermarkt dagegen maximal 80 Leute aus dem Umkreis von Cakovec.
Zweiteres war dann die ungewöhnliche Markierung der Waren, denn an allen Waren die aus dem Inland stammen waren Etikettierungen die darauf hinwiesen. Eine Praxis, die ich zwar gutheiße, die EU aus "wettbewerbsrechtlichen Gründen" jedoch nicht. Für mich ist es immer eine gute Sache Waren zu kaufen, die zumindest  im Inland produziert werden und Lohndumping von anderen Ländern zu unterbinden.

Obwohl wir abreisen wollten wurden wir natürlich aufgehalten. Auf der einen Seite waren Jojor, der uns zu überreden versuchte noch eine Woche zu bleiben, auf der anderen Seite ein Jugendfreund meiner Mutter namens Mladen, der androhte uns zuzuparken damit wir nicht wegkönnen. Auf die Antwort meiner Mutter, dass er hier niemanden zuparkt entgegnete er uns halt in das Auto reinzufahren damit wir bleiben müssen. Hauptsächlich spielte dieser allerdings Akkordeon und sang, was sich als wirklich rührend erwies. Trotzdem fuhren wir gegen Mittag nach Hause - vorher allerdings fotografierte ich noch etwas anderes: Ein Nummernschild. Das kroatische Wappen prangt in diesem Land wirklich überall: Auf Feuerzeugen, auf Kirchendächern, in jedem Laden den man betritt und halt auch auf Nummernschildern. Das nenne ich mal Identifikation!


Fazit

Ich hoffe ich konnte euch mein Heimatland etwas näherbringen, ich selbst sehe mit gemischten Gefühlen der Zukunft entgegen. Die EU wird viele Dinge verschlimmbessern, wie etwa das Verbot der Markierung einheimischer Waren, das Verbot des "Schwarzbrennens" von Schnaps und der noch stärker boomende Tourismus. Es tut mir in der Seele weh zu sehen, wie ehemals natürliche Kies- und Steinstrände zugunsten der Touristen zubetoniert werden damit dicke Deutsche und Engländer sich nicht an den Steinen pieksen, nur damit das Land für diese Menschen "attraktiver" wird. Auch das eventuelle Schwinden der eigentümlichen Stadtbilder besorgt mir Kopfschmerzen, andererseits jedoch finde ich es super, wie gut hier alte Bauten restauriert und die Eigenheiten beibehalten werden, die wir hier in Deutschland schon lange nicht mehr inne haben. Zwischen Alkohol und den Anekdoten verbuche ich diese Reise als kräftiges Plus auf meinem Erfahrungskonto und werde sicherlich wiederkommen, um hoffentlich zu sehen das meine Befürchtungen nichtig waren.
Eine Anekdote zum Schluss:
An einem Tag der letzten Woche sind wir zusammen durch die Dörfer gebraust, nach einer Kurve war ein Polizeiwagen zu sehen woraufhin mein Vater tüchtig auf die Bremse trat um das Tempo senken. Was er nicht, ich allerdings schon bemerkte war, dass der Wagen zwei Insassen hatte: Zwei uniformierte Kartons - die Polizisten hatten einfach Lust gehabt in der örtlichen Kneipe vorbeizuschauen und die Autofahrer bloß mit ihrer vorgetäuschten Präsenz zum "normalen" Fahren zu zwingen.

Falls Fragen offen sein sollten - kommentiert den Eintrag!
Doviđenja

19.8.09 15:35
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Richard (23.8.09 19:06)
insgesamt echt gelungener bericht (also episode 1 und 2 zusammen), mach mal weiter so


toox / Website (24.8.09 00:11)
nette werbung

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